Strafrechtsreform: Experten zurückhaltend

Die türkis-blaue Bundesregierung denkt über eine Verschärfung der Strafen für Sexualdelikte nach. Dazu hat sie jetzt eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Vorarlberger Experten sind zurückhaltend.

Ruth Rüdisser, Opferschutz-Expertin beim Institut für Sozialdienste, weist darauf hin, dass die Strafdrohungen bei Sexualdelikten erst 2016 verschärft wurden. „Allerdings finde ich es gut, wenn man das noch einmal anschaut und eventuell Anpassungen vornimmt.“ Yvonne Summer, Sprecherin der Richtervereinigung, ist zurückhaltender, wenn es um strengere Strafen geht: „Man muss den Gerichten die Möglichkeiten geben, das anzuwenden und muss sich die Auswirkungen anschauen.“

Strafrechtsreform: Experten zurückhaltend

Die türkis-blaue Bundesregierung denkt über eine Verschärfung der Strafen für Sexualdelikte nach. Dazu hat sie jetzt eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Vorarlberger Experten sind zurückhaltend.

Rüdisser fordert Psychologen

Auch Rüdisser sieht in Strafdrohungen, die nicht streng genug sind, nicht das drängendste Problem im Sexualstrafrecht. Viel problematischer sei, dass viele Taten nicht beweisbar sind. Denn bei sexuellen Übergriffen gibt es meist keine Zeugen: Die Aussage des Opfers ist oft das einzige Beweismittel - was gerade bei Kindern schwierig sei. „Kleine Kinder sind oft nicht in der Lage, ein Geschehen so genau zu beschreiben und zu erzählen - und das nicht nur einmal, sondern zweimal: Einmal bei der Polizei und dann ein zweites Mal vor Gericht.“

Rüdisser wünscht sich daher mehr psychologische Sachverständige für die Justiz, die die Aussagen von Kindern beurteilen können. Kinder würden oft nicht wollen, dass die Täter lange weggesperrt werden. „Kinder möchten in erster Linie, dass es aufhört und in zweiter Linie, dass man ihnen glaubt.“ Wer Kinder unter 14 Jahren sexuell missbraucht, hat übrigens mit einer Mindeststrafe von sechs Monaten zu rechnen.

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