Kinder lediger Mütter suchen ihre Verwandten

An die hundert Vorarlberger Kinder von ledigen Müttern haben in den 1960er-Jahren in den Niederlanden eine neue Heimat gefunden. Viele davon suchen immer noch nach ihren Verwandten.

Die 1960er Jahre waren in Vorarlberg für ledige Mütter beschwerlich. Abgesehen von der Schande, ein uneheliches Kind zur Welt zu bringen, hatten viele Betroffene nicht das Geld, für ihren Nachwuchs zu sorgen. Sie waren gezwungen, einen Pflege- oder Adoptivplatz zu finden. Es gibt keine konkreten Zahlen wie viele uneheliche Kinder in Vorarlberg adoptiert wurden. Fest steht aber, dass an die 100 in den Niederlanden eine neue Heimat gefunden haben.

Vorarlberger in die Niederlande adoptiert

Uneheliche Kinder wurden in den 60er Jahren in die Niederlande adoptiert, heute suchen sie Ihre Angehörigen in Vorarlberg.

Offene Fragen

Eines dieser Kinder war Marco Huiskes. Er ist gleich nach seiner Geburt in die Niederlande gekommen, ein Hausarzt in Apeldoorn hatte Kontakt zum Bregenzer Jugendamt, er war der Vermittler. Auch als Erwachsener besucht Huiskes sein Geburtsland mindestens einmal im Jahr. Noch immer sind viele Fragen offen: Seine leibliche Mutter hat er vor fünf Jahren zwar gefunden - sie weigert sich aber zu sagen, wer sein Vater ist.

Kinderadoptionen Niederlande
ORF

„Ich denke immer noch, es ist ein Vorarlberger oder ein Schweizer“, sagt Huiskes. Der Niederländer ist Mitglied bei einem Österreicher-Klub, dem 20 Kinder aus Vorarlberg angehören. „Aber insgesamt gibt es in Holland über 100, vielleicht auch 200 Kinder.“

Wenige Chancen für ledige Mütter

Ein uneheliches Kind hatte in Vorarlberg nur die Chance, mit seiner Mutter aufzuwachsen, wenn die Verwandten über die Schande hinweg sahen und sie im Familienverband aufnahmen, sagt der Historiker Wolfgang Weber. Wenn es sich bei der Mutter um eine Arbeitsmigrantin - etwa aus Kärnten oder aus der Steiermark - handelte, war sie zumeist auf sich allein gestellt. „Die einzige Möglichkeit, die sie hatte, war, das Kind etwa zur Adoption freizugeben oder zumindest einen Pflegeplatz für das Kind zu suchen. Und das wurde in der Regel dann auch so gemacht.“

Weber ist überrascht, dass so viele Kinder in die Niederlande kamen - Auslandsadoptionen waren in den 1960er Jahren nämlich eher selten der Fall. Aus den wenigen vorhandenen Zahlen könne man ableiten, dass Waisenkinder und uneheliche Kinder zu zwei Dritteln in Heimen untergebracht wurden, so Weber. Die Situation für ledige Mütter wurde erst in der Kreisky-Ära besser. Der gesellschaftliche Makel ist längst weg. Und seit es den Sozialstaat gibt, ist die finanzielle Absicherung so gut, dass die meisten ihre Kinder selbst großziehen können

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