Semesterferien: Verletzungen haben Hochsaison

In den Semesterferien ist das durchschnittliche Können auf der Skipiste geringer als sonst. Das sagt Martin Pfanner vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV). Heuer geht das Kuratorium von 800 Wintersportverletzungen aus.

Am Samstag begannen in Vorarlberg die Semesterferien, die alljährlich zahlreiche Einheimische und Touristen auf die Skipisten des Landes locken. Wie Erhebungen zeigen, passieren gerade in dieser Woche besonders viele Sportunfälle.

Das werde auch heuer so sein, glaubt Pfanner vom KFV. Heuer rechne das Kuratorium mit 800 verletzten Wintersportlern in den Semesterferien. Es seien viele Skifahrer unterwegs, die ansonsten nicht auf der Piste anzutreffen seien - das durchschnittliche Können auf der Piste sinke, so Pfanner im Samstaginterview von ORF Radio Vorarlberg.

Audio: Martin Pfanner vom KFV im Gespräch mit Georg Fabjan (ORF Radio Vorarlberg)

Hohes Tempo als häufige Unfallursache

Sehr viele Unfälle passieren laut Pfanner aufgrund von Selbstüberschätzung - die Sportler würden die Geschwindigkeit nicht dem Können anpassen. Ein sehr hoher Anteil sei mit einem Tempo von über 66 km/h unterwegs. Wenn man die Skier nicht beherrsche, seien hierbei schwere Unfälle möglich. Die meisten Unfälle seien Alleinunfälle - lediglich sieben Prozent seien auf Kollisionen zurückzuführen, so Pfanner.

Besonders viele Verletzungen gibt es laut Erhebungen gleich am ersten Skitag. Viele Urlauber seien schon länger nicht mehr skigefahren, erläutert Pfanner. Manche hätten auch eine lang Anreise hinter sich. Das berge Gefahren. Pfanner empfiehlt, langsam in die Wintersportwoche hineinzugleiten. Man könne nicht davon ausgehen, dass man gleich am Können vom letzten Skitag des Vorjahres anknüpfen könne.

Helmtragen auch beim Rodeln empfohlen

In punkto Helmpflicht sei die Entwicklung positiv, so Pfanner. Nach Erhebungen von diesem Winter würden 100 Prozent der Kinder einen Helm tragen, bei den erwachsenen Skifahrern seien es 90, bei den Snowboarden 87 Prozent. Pfanner empfiehlt auch Rodlern, einen Helm zu tragen. Hier gebe es mehr Kollisionen als beim Skifahren, zudem könnten viele Personen nicht richtig bremsen. Außerdem, so Pfanner weiter, seien viele Rodler mit „Spielgeräten“ auf Rodelstrecken unterwegs, dabei gehöre etwa ein Bob auf den Rodelhang und nicht auf die Rodelstrecke.

Eine weitere Gefahr auf Skipisten: das Sehvermögen. Ein Drittel der Skifahrer sei mit mangelnder Sehleistung auf den Pisten unterwegs, so Pfanner. Es dauere oft Jahre, bis sich jemand tatsächlich eine Sportbrille anschaffe, bzw. die normale Brille auch beim Skifahren verwende.

Wegehaltung: KFV will Gemeinden ermutigen

Ein weiteres Thema im Samstaginterview war die Wegehaltung. Nach dem Prozess rund um den tödlichen Wanderunfall im Silbertal machen sich laut Pfanner einige Gemeinden Sorgen um die Haftung für ihre Wanderwege. Zwei Mitarbeiter der Gemeinde waren nach dem Unfall angeklagt. Ihnen wurde vorgeworfen, sie hätten das Weggeländer nicht ausreichend kontrolliert. Vor kurzem wurden sie freigesprochen - mehr dazu in Tödlicher Unfall: Aufatmen nach Silbertal-Urteil. Pfanner zeigte sich darüber im Samstaginterview erleichtert.

Bei den Gemeinden sei eine gewisse Verunsicherung zu spüren. Das KFV will nun Wegehalter mit Seminaren unterstützen. Ziel sei es, sie zu ermutigen und Aufklärungsarbeit zu betreiben. Es sei sehr wichtig aufzuzeigen, dass der Wegehalter nur bei vorsätzlicher und grob fahrlässigem Verschulden hafte. Hier gebe es Ängste, so Pfanner. Wenn Kontrollen allerdings tatsächlich regelmäßig durchgeführt und gut dokumentiert würden, sei die Haftung sehr gering.

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