Beschneiungsprojekt für Rauch ein „Naturfrevel“

Im Skigebiet Silvretta Montafon soll am Schwarzköpfle ein neuer Speichersee für Beschneiungszwecke entstehen. Das Projekt ist nach Ansicht von Grünen-Landesrat Johannes Rauch ein „völlig überdimensionierter Naturfrevel“.

Seit fast vier Jahren laufen - praktisch unbemerkt von der Öffentlichkeit - die Planungen für den größten Beschneiungs-Speichersee in Vorarlberg. Im Skigebiet Silvretta Montafon soll im Gemeindegebiet von St. Gallenkirch in bisher unberührter hochalpiner Natur der Schwarzköpfle-Speichersee entstehen: 6,5 Hektar groß - so groß wie zwölf Fußballfelder, mit einem Fassungsvermögen von 307.200 Kubikmeter und einem 26 Meter hohen Damm.

Geländeabtrag von 180.000 Kubikmetern geplant

Umweltlandesrat Rauch hat nach eigener Darstellung erst vor kurzem von diesem Vorhaben erfahren und am Montagvormittag kurzfristig zu einem Medientermin geladen, um seine Ablehnung zu formulieren. Dabei verdeutlichte er, dass beim geplanten Projekt einen Geländeabtrag von 180.000 Kubikmeter geplant sei. Wenn man wisse, wie viele hunderttausend Jahre es brauche im hochalpinen Gelände, bis sich nur zehn Zentimeter Humusschicht bilden, dann könne man ermessen, was da innerhalb eines halben Jahres kaputt gemacht werden würde. „Da wird die hochalpine Landschaft in einem Ausmaß umgebaggert - das ist einfach ein Naturfrevel“, so Rauch am Montag.

Schneedepots ab 1. Oktober „hirnrissig“

Das Projekt ist als Erweiterung der Schneeerzeugungsanlage Versettla und Valisera geplant. Der Betreiber Silvretta Montafon sagt, der See sei nötig, um innerhalb von 70 Stunden die Grundbeschneiung des Skigebiets und das Anlegen von Schneedepots ab 1. Oktober zu sichern. Diese 70 Stunden-Notwendigkeit verstehe er nicht, so Rauch. Die Idee, ab 1. Oktober Schneedepots anlegen zu können, sei einfach hirnrissig. Zehn Tage Föhn und der Schnee sei wieder weg.

Geplanter Speichersee: „Naturfrevel“

Ungewöhnlich scharf hat Umweltlandesrat Johannes Rauch einen geplanten Speichersee zur Schnee-Erzeugung im Skigebiet Silvretta-Montafon kritisiert.

Bisher keine Skipiste in der Nähe

Das Projekt ist in einem Kar (kesselförmige Eintiefung an einem Berghang mit flachem Boden und steilen Rückwänden) unterhalb des Schwarzköpfles auf einer Seehöhe von 2.080 bis 2.190 Metern über dem Meeresspiegel geplant. Laut Informationen des Landes wird das Kar im Sommer als Alpweide und im Winter teilweise als Skipiste genutzt.

Die aktuelle Piste verläuft heute allerdings weiter nordöstlich, das Kar selbst wird vermutlich nur von Tiefschneefahrern benutzt. „Ich befürchte, dass für die Arbeiten eine Zufahrtstrasse benötigt wird, die dann in weiterer Folge zu einer präparierten Skipiste ausgebaut wird“, sagte Rauch.

Gerade im Hochgebirge gebe es eine große Vielzahl alpiner und subalpiner Ökosysteme, die kleinräumig und eng miteinander verzahnt seien. So finde sich in dem Kar ein Hochmoor mit seinen hochspezialisierten Pflanzen wie etwa eine Hochmoor-Rasenbinsen-Gesellschaft, die in der Roten Liste der Pflanzengesellschaften Vorarlberg als gefährdet angeführt wird.

Keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig

Wegen der Größe müsse der See nicht einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen werden, sagte Landesrat Rauch. Dafür seien die Schwellenwerte nicht hoch genug. „Es bräuchte ein Volumen in Höhe von zehn Millionen Kubikmeter, das entspricht dem Vermuntstausee. Das macht deutlich, wie jenseitig das Vorhaben der Bundesregierung ist, das UVP-Recht noch weiter zurückzuschrauben.“

Jetzt komme es darauf an zu diskutieren, wie die Interessensabwägung Naturschutz- oder Wirtschaftsinteressen ausgehe. „Meiner politischen und Lebenserfahrung nach überwiegen bei diesen Projekten meist die wirtschaftlichen Interessen. Ich hoffe, dass bei diesem Zwölf-Fußballfelder-großen Beschneiungsprojekt die Interessenabwägung dieses Mal anders verläuft,“ so Rauch weiter.

„Wir sind nicht in Kanada“

„Wir sind nicht in Kanada, wir sind nicht in Val-d’Isère“, machte Rauch seinem Ärger weiter Luft. Vorarlberg sei ein kleines Land und da müsse man auf Qualität und Kleinräumigkeit setzen und nicht auf Gigantomanie.

In der Sitzung der Landesregierung will Rauch am Dienstag das Projekt zur Sprache bringen. Die überwiegenden öffentlichen Interessen müssten genauer definiert, der Naturschutz rechtlich gestärkt und die Landesregierung früher in solche Vorhaben eingebunden werden.

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