Schumacher: Rücktritt nur eine Option

Zumtobel-CEO Ulrich Schumacher hat dem Aufsichtsrat in einem Schreiben Gespräche über seinen Rücktritt angeboten. Auch weitere Optionen skizzierte er. Das Unternehmen will auf das Angebot eingehen.

Via Pressemitteilung informierte das börsennotierte Vorarlberger Unternehmen am Montag über das Schreiben von CEO (Vorstandschef) Schumacher. Darin habe er seine Bereitschaft erklärt, „in Gespräche über eine einvernehmliche Aufhebung seines Vorstandsvertrags einzutreten“. Der Aufsichtsrat werde diese Gespräche aufnehmen, bestätigte Pressesprecherin Simone Deitmer anschließend. Die Gespräche würden zeitnah aufgenommen.

Ulrich Schumacher
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Zumtobel-CEO Ulrich Schumacher

Kurze Zeit darauf meldete sich Schumacher selbst zu Wort. Er wolle die Gespräche mit dem Aufsichtsrat nicht als Trennungsgespräche verstanden wissen, sie würden „ergebnisoffen“ geführt. Der Rücktritt sei nur eine von mehreren Optionen, die er unterbreitet habe. Er stehe dem Unternehmen auch weiterhin als CEO zur Verfügung.

Auch CFO (Finanzvorständin) Karin Sonnenmoser bot dem Aufsichtsrat ihren Rücktritt an. In diesem Fall habe das Gremium aber abgelehnt und Sonnenmoser gebeten, ihre Arbeit fortzusetzen, hieß es aus dem Unternehmen.

Kleinanlegervertreter kritisiert Vorgangsweise

Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger fordert den Vorstand und Aufsichtsrat von Zumtobel auf, im Interesse der Aktionäre und Mitarbeiter wieder unverzüglich professionell zu agieren und die anstehenden Personalprobleme zu lösen. „Ich finde es ärgerlich und irritierend, dass die Auseinandersetzung über Top-Positionen über die Öffentlichkeit ausgetragen wird“, so Rasinger.

Das geschehe alles auf dem Rücken der Aktionäre und zum Nachteil der Mitarbeiter, so der Anlegerschützer. Es sei ungewöhnlich, dass Streitereien zwischen Vorstandsvorsitzendem und Aufsichtsrat öffentlich werden, dass ein Vorstandsvorsitzender seine Bereitschaft zum Rücktritt öffentlich ankündige. Da zwei Aufsichtsräte zurückgetreten seien, könne die Lösung der anstehenden Personalprobleme auch beinhalten, den Aufsichtsrat unter Berücksichtigung der Frauenquote neu zusammenzusetzen, sagt Rasinger.

Aufsichtsräte traten zurück

Schon seit Längerem scheint der Hausfrieden bei Zumtobel gestört. Im Dezember berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ von Konflikten auf höchster Ebene. Dabei soll es sich um Differenzen zwischen der Unternehmensführung und dem Aufsichtsrat handeln. Der Gründerfamilie werde vorgeworfen, im Aufsichtsrat wie Alleineigentümer zu agieren, obwohl der Aufsichtsratsvorsitzende Jürg Zumtobel und sein Bruder Fritz nur gut ein Drittel der Aktienanteile halten.

20 Führungskräfte hätten in einem Schreiben die Zustände im Unternehmen angeprangert und korrektes Wirtschaften eingefordert, berichtete die Zeitung. Kurz darauf gaben die Aufsichtsräte Stephan Hutter und Hans Peter Metzler ihre Rücktritte mit 31. Jänner bekannt - mehr dazu in Zumtobel: Aufsichtsräte legen Funktionen zurück.

Zumtobel kündigte weiteres Vorstandsmitglied an

Aufsichtsratsvorsitzender Zumtobel versuchte damals zu beschwichtigen. Unter anderem kündigte er im Gespräch mit dem ORF Vorarlberg einen vierten Vorstand und eine neue Aufgabenteilung an. Damit wolle man Schumacher entlasten und die Situation beruhigen. Das neue Vorstandsmitglied soll seine Arbeit im Februar aufnehmen.

Gewinn eingebrochen

Hintergrund der Streitereien sind wirtschaftliche Schwierigkeiten: So sank der Gewinn im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2017/2018 um 72,2 Prozent auf 7,7 Mio. Euro. Gleichzeitig sank der Umsatz um 6,4 Prozent. Bei Zumtobel führte man das auf den zunehmenden Preiswettbewerb in der Beleuchtungsindustrie, interne operative Herausforderungen, höhere Gewährleistungsrückstellungen und Währungseffekte zurück - mehr dazu in Zumtobel-Gewinn bricht um 72,2 Prozent ein.

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