Anwalt kämpft gegen umstrittene Abschiebung

Der Familie Broyan aus der Ukraine droht die Abschiebung. Das Bundesverwaltungsgericht kann keine besondere und schützenswerte Integration erkennen. Der Anwalt der Familie spricht von einem Fehlurteil.

Drohende Abschiebung: Anwalt kritisiert Behörde

Familie Broyan aus der Ukraine droht die Abschiebung - dabei ist sie seit drei Jahren bestens in Vorarlberg integriert. Der Anwalt der Familie kritisiert nun scharf die Behörde - in dem Fall das Bundesverwaltungsgericht.

Der 15-jährige Erik Broyan besucht die fünfte Klasse im Gymnasium Gallus in Bregenz. In der letzten Deutsch-Schularbeit hatte der Jugendliche ein „Gut“ - und das, ohne dass die Lehrerin berücksichtigen musste, dass Erik eine andere Muttersprache hat, wie sie selbst sagt. Der 15-Jährige sei auch in allen anderen Fächern ausgezeichnet. Dementsprechend groß sind seine Ziele: „Ich würde gerne die Matura abschließen - also gut abschließen - und vielleicht ein Jurist werden.“

Anwalt kämpft gegen Abschiebung Erik Broyan
ORF
Erik Broyan hofft, dass er in Österreich bleiben kann

Eriks Familie kommt aus dem Bürgerkriegsgebiet nahe der russischen Grenze. 2011 wurde der Bruder seines Vaters erschossen und sein Haus zerbombt. Eriks Vater ist selbst bestens integriert: Seit einem Jahr arbeitet er freiwillig beim Roten Kreuz in Bregenz. Er wolle eben nicht einfach auf dem Sofa herumliegen und nichts tun, sagt Knyaz Broyan.

„Besondere Integration nicht erkennbar“

Die zuständige Richterin des Bundesverwaltungsgerichts sah die Integration der Familie dennoch als unzureichend an. In ihrem Erkenntnis schreibt sie: „Schon aufgrund dieser kurzen Aufenthaltsdauer im Bundesgebiet ist eine besondere Integration in sprachlicher und beruflicher und gesellschaftlicher Sicht nicht erkennbar.“

Offenbar ging das Gericht dabei von einer Aufenthaltsdauer von eineinhalb Jahren aus. Die Familie Broyan ist laut Darstellung ihres Anwalts aber bereits im August 2014 legal nach Österreich eingereist. Dass die Familie schon so lange in Österreich lebt, bestätigt auch eine Unterschriftenaktion der Nachbarn, die den Verbleib der Familie erreichen wollen.

Anwalt: „Alles getan“

Für Alexander Jehle, den Anwalt der Familie, handelt es sich bei dem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts um ein krasses Fehlurteil. Die Familie sei nicht einmal angehört worden. Dabei habe sie wirklich alles getan, was möglich sei: „Man hat sie in die Vereine aufgenommen, der Erik ist Landesmeister im Schwimmen, er schwimmt in der Schwimmstaffel Bregenz, er spielt im Gitarrenorchester der Musikschule Bregenz - was kann man mehr tun?“

Dem Anwalt ist klar, dass im Westen der Ukraine kein Krieg herrscht. In der Frage der Rückkehr liege die Behörde dennoch falsch, meint Jehle: Sie müsse zwischen der Verwurzelung in Österreich und der Entwurzelung in der Ukraine abwägen. Und dabei sei eben die Frage der Integration besonders wichtig.

Außerordentliche Revision beim VwGH

In einer Stellungnahme des Bundesverwaltungsgerichts an den ORF heißt es unter anderem: „Die Beschwerdeführer konnten keine asylrelevanten Fluchtgründe glaubhaft machen. Der Grad der Integration sind zu berücksichtigende Aspekte.“ Jetzt ist in der Sache eine außerordentliche Revision beim Verwaltungsgerichtshof anhängig - das letzte verbliebene rechtliche Mittel für die Familie Broyan. Eine Abschiebung wird damit aber nicht aufgeschoben.

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