Mit Tele und Tarnzelt auf „Vogeljagd“

Er ist Frühaufsteher und kann stundenlang regungslos in der Kälte sitzen: Naturfotograf Dietmar Hollenstein aus Bregenz ist einer der besten Vogelfotografen des Landes. ORF-Redakteurin Verena Längle hat ihn auf der „Pirsch“ begleitet - ein Erfahrungsbericht.

Dichtes Schneetreiben auf dem Weg zum Mündungsbereich der Bregenzerach. Der Schnee schluckt fast alle Geräusche, bis wir endlich das Ufer erreichen. Auf den Schlickflächen in der Flachwasserzone herrscht reger Betrieb: Graureiher, Möwen und verschiedene Enten suchen im flachen Wasser nach Nahrung. Ein Zwergtaucher verschwindet im eisigen Wasser. Direkt im Uferbereich lasse sich manchmal ein Eisvogel blicken, sagt Naturfotograf Hollenstein. Sobald er irgendwo wegfliegt, lässt er sein charakteristisches Pfeifen erklingen.

Jetzt braucht es nur noch Geduld und die richtige Tarnung. Wir bauen ein Tarnzelt auf - die dunkle Seite nach außen, die helle nach innen. Am Ende schaut nur das Objektiv heraus. Inzwischen schneit es immer intensiver. In der Ferne erkennen wir mit viel Fantasie ein rotes Seezeichen. Aber heute geht gar nichts, der Eisvogel lässt sich einfach nicht blicken. 17 Kilo Ausrüstung umsonst geschleppt - kein Bild im Kasten, kein Foto auf Facebook.

„Tut mir gut“

Einen echten Naturfotografen kann das aber nicht aus der Ruhe bringen. „Seit letztem Winter war ich sicher sieben Mal auf dem Berg bei minus 18 Grad. Zehn Stunden bin ich in der Kälte gesessen und habe auf den Steinadler gewartet. Und er ist nie gekommen.“ Was davon bleibt? Momente der Einkehr und der Stille, die auf ihre Art genauso kostbar seien wie das allerbeste Bild. „Das ist ja das Schöne an der Naturfotografie: Du bist draußen, du bist an der frischen Luft und du kannst dich sehr gut erholen dabei“, sagt Hollenstein. „Also mir tut es gut.“

Verena Längle ist Redakteurin bei ORF Radio Vorarlberg. Naturthemen liegen ihr besonders am Herzen.

Werbung X