Metaller-KV: Schmerzgrenze für Industrie erreicht

Industrie und Gewerkschaft haben sich Donnerstagabend auf drei Prozent mehr Lohn und Gehalt geeinigt. Während die Arbeitnehmer von einem „annehmbaren Abschluss“ sprechen, ist für die Arbeitgeber die Schmerzgrenze erreicht.

In erster Linie ist die Vorarlberger Industrie froh, dass eine Einigung erzielt werden konnte und somit nicht gestreikt wird. Die Lohnerhöhung werde aber viele Betriebe wirtschaftlich treffen, sagt Liebherr-Geschäftsführer Manfred Brandl, der auch Vertreter der Industriesparte in der Wirtschaftskammer ist. Durch die Gehaltserhöhung von drei Prozent sei bei vielen Vorarlberger Unternehmen die Schmerzgrenze eindeutig erreicht. So können viele Firmen diese Erhöhung nicht in ihren Preisen unterbringen, das heißt, es werden künftig wieder Rationalisierungsbestrebungen notwendig sein, sagt Brandl. Denn nur so können die Unternehmen am Markt wettbewerbsfähig bleiben.

Ohneberg fordert Steuerreduktion

Martin Ohneberg, der Präsident der Industriellen-Vereinigung Vorarlberg, spricht von einem guten Abschluss für die Mitarbeiter und einem akzeptablen Abschluss für die Unternehmen. Jedoch wäre es laut Ohneberg gut, wenn die KV-Erhöhung nun auch einen entsprechenden Niederschlag bei den Mitarbeitern und Angestellten finden würde. Ohneberg spricht von einer Steuerreduktion, also mehr Netto vom Brutto für die Arbeitnehmer. So würde von dieser KV-Erhöhung einmal mehr der Staat profitieren.

Ohneberg kritisiert Sozialpartnerschaft

Den Vorwurf der Gewerkschaft, die IV hätte bei den Kollektivvertragsverhandlungen versucht, die Sozialpartnerschaft an die Wand zu fahren, weist Ohneberg zurück. Er bleibt aber bei seiner generellen Kritik an der Sozialpartnerschaft. Wirtschaftspolitisch sei in den vergangenen Jahren nichts weitergegangen. Unter anderem weil sich die Sozialpartner blockiert haben und wegen der verpflichtenden Kammermitgliedschaft. Letztere ist laut Ohneberg nicht mehr zeitgemäß und betreffe nicht nur Arbeiter- und Wirtschaftskammer sondern auch die Ärztekammer oder die Notariatskammer. Ohneberg plädiert für Ur-Abstimmungen in den einzelnen Kammern, bei denen die Mitglieder über die Zwangsmitgliedschaft entscheiden sollen.

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Im „Vorarlberg heute“-Beitrag kommen zu Wort: Norbert Loacker (Landesvorsitzender Produktionsgewerkschaft) und Mathias Burtscher (Geschäftsführer Industriellenvereinigung).

Gewerkschaft: Annehmbarer Abschluss

Vorarlbergs Gewerkschaftsvorsitzender Norbert Loacker spricht nach Verhandlungsende von einem „annehmbarer Abschluss“. Vor allem die Erhöhung der Lehrlingsentschädigung sei enorm wichtig - mehr dazu in: Plus drei Prozent: Einigung bei Metaller-KV.

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