Vorarlberg schert aus Polizeistatistik aus

Vorarlberg ist das einzige Bundesland, in dem die Zahl der Strafanzeigen im ersten Halbjahr 2017 zugenommen hat. Laut Polizeistatistik gab es ein Plus von 1,9 Prozent. Alle anderen Bundesländer melden Rückgänge.

Die Polizei in Vorarlberg verzeichnet im ersten Halbjahr 2017 doppelt soviele Einbrüche wie im gesamten Vorjahr. Heuer gab es in diesem Bereich bereits 113 Anzeigen. In Tirol dagegen gingen die Einbrüche in Wohnungen und Wohnhäuser im selben Zeitraum um 30 Prozent zurück oder in absoluten Zahlen von 260 Delikten (Halbjahr 2016) auf 182 Delikte (Halbjahr 2017). Polizeisprecherin Susanne Dilp stellt zu Vorarlberg fest, 2016 habe es besonders wenige Anzeigen gegeben. Heuer pendle sich Vorarlberg wieder im Trend ein.

Einzelfall beeinflusst Statistik

Die Polizei brachte insgesamt knapp 200 Delikte mehr zur Anzeige. Darunter auch mehr Gewalttaten. Dilp erläutert, dass sich der Amoklauf von Nenzing aus dem Jahr 2016 erst heuer in der Statistik niederschlug. Das sei der umfangreichen Polizeiarbeit in diesem Fall geschuldet.

Mehr Fälle von Internetkriminalität wurden auch in Vorarlberg aufgedeckt. Hier liege Vorarlberg im österreichischen Trend. Vor allem sei der Betrug im Internet gestiegen, so Dilp. Weniger Anzeigen machte die Polzei zur Wirtschaftskriminalität im engeren Sinn - nämlich um 4,2 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2016.

Österreichweiter Spitzenreiter bleibe Vorarlberg bei der Aufklärungsquote. Sie liege bei rund 58 Prozent und sei etwa zehn Prozent höher als die bundesweite Aufklärungsquote, so Dilp.

FPÖ-Sicherheitssprecher verlangt Stärkung der Polizei

Landtagsabgeordneter Christof Bitschi (FPÖ) schiebt den negativen Trend in Vorarlberg auf eine „Untätigkeit der Landesregierung in Sicherheitsfragen“. Bitschi schreibt in einer Aussendung an die Medien am Freitag: „Die leeren Versprechungen, wie die Ende des Jahres 2015 versprochenen 200 zusätzlichen Polizisten, finden nun ihren Niederschlag in der negativen Kriminalitätsstatistik.“ Bitschi verlangt erneut neben einer Aufstockung der Polizei, Maßnahmen in der Ausbildung. Etwa eine bessere Bezahlung während der Schulzeit und mehr Plätze in der Polizeischule.

Österreichweite Statistik

Im ersten Halbjahr 2017 wurden in Österreich 251.795 Straftaten von der Polizei angezeigt. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 bedeute dies einen Rückgang von 6,5 Prozent, so die vorläufige Bilanz des Innenministeriums. Delikte wie Wohnraumeinbrüche, Kfz-Diebstähle und Gewaltdelikte gingen demnach zurück.

Im Zehn-Jahres-Vergleich weist die Statistik von Jänner bis Juni 2017 die niedrigste Anzeigenzahl auf. Im ersten Halbjahr des Jahres 2016 waren es noch 269.342 Anzeigen. Gestiegen ist hingegen die Aufklärungsquote, die derzeit bei 48,2 Prozent liegt. Vor einem Jahr lag die Quote zum Stichtag 1. Juli bei 45,5 Prozent, 2008 bei 38,5 Prozent.

Größter Rückgang in Niederösterreich

Im Bundesländervergleich wurde der größte Rückgang in Niederösterreich (minus 8,6 Prozent), dem Burgenland (minus 8,4 Prozent) und in der Steiermark (minus 8,3 Prozent) verzeichnet, gefolgt von Oberösterreich (minus 7,1 Prozent), Wien (minus 6,7 Prozent), Tirol (minus 5,7 Prozent), Salzburg (minus 4,1 Prozent) und Kärnten (minus 3,9 Prozent). Lediglich Vorarlberg hat mit einem Plus von 1,9 Prozent einen Anstieg zu melden.

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