Erste Bilanz über „leistbare Kinderbetreuung“

Nach der Einführung im Herbst hat das Land nun eine erste Bilanz über die ermäßigten Beiträge für die Kinderbetreuung gezogen. Demnach wurde das Modell für Familien mit niedrigerem Einkommen bis Dezember für 236 Kinder in Anspruch genommen.

Die Zahl steigerte sich von 174 Kindern bei der Einführung der „Leistbaren Kinderbetreuung“ im vergangenen September auf 236 Kinder im Dezember. Genaue Zahlen für das Frühjahr gibt es noch nicht, das Land erwartet aber eine leichte Steigerung. Die meisten Familien erhielten laut der ersten Bilanz den günstigsten Tarif von monatlich 20 Euro für 25 Betreuungsstunden - zum Beispiel fünf Vormittage - wöchentlich.

In der Kinderbetreuung gibt es vier Stufen der Reduktion, mindestens beträgt der Betrag 20 Euro, dann wird gestaffelt von 25 bis 75 Prozent. Die Tarife sind nach dem Einkommen, dem Alter der Kinder und der Anzahl der Betreuungsstunden gestaffelt. Die Ermäßigung ist für Familien mit niedrigem Einkommen, Mindestsicherung oder Wohnbeihilfe gedacht. In den Kindergärten gibt es ebenfalls die reduzierten Tarife.

Wiesflecker: Zufrieden, aber ausbaufähig

Landesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) ist mit dem Start insgesamt zufrieden, vor allem weil das System kurzfristig im Herbst eingeführt wurde. Sie will aber noch weit mehr Eltern erreichen. Sie geht davon aus, dass die Zahlen steigen werden, wenn das Angebot bekannter wird.

Da sei auch das Land gefordert, schließlich leben in Vorarlberg laut Angaben des Landes knapp 1.500 bis sechsjährige Kinder in Haushalten, die Mindestsicherung beziehen. „Es ist mit Sicherheit so, dass wir noch Luft nach oben haben. Aber das ist ja nicht ein Angebot, dass nur für ein Jahr gilt, sondern das wird ja eingeführt. Und das heißt, dass wir jetzt in den kommenden Jahren noch Potenzial haben und aufgefordert sind, das mehr zu kommunizieren“, so Wiesflecker.

Mindestsicherungsbezieher direkt anschreiben

Aus diesem Grund will sich die Landesrätin zum Beispiel mit einer Kampagne direkt an die Mindestsicherungsbezieher wenden. Laut Wiesflecker machen die 236 Kinder fünf Prozent der Kinder aus, die bereits in der Kleinkindbetreuung sind. Die Landesrätin will vor allem aber auch Gruppen ansprechen, die die Kinder bisher noch gar nicht in der Kinderbetreuung hatten, weil die Kosten zu hoch waren.

Verband privater Träger: Kritik an Einkommensgrenze

Der Landesverband selbstorganisierter Kindergruppen und Elterninitiativen Vorarlbergs - also der Verband, der die privaten Kinderbetreuungseinrichtungen vertritt - sieht vor allem noch Potenzial bei der Einkommensgrenze. Viele Eltern würden trotz eines geringen Einkommens nicht in die soziale Staffelung fallen. Beim Land will man zunächst zwei bis drei Jahre abwarten, wie das System angenommen wird und dann gegebenenfalls bei der Einkommensgrenze nachbessern.

Antrag wird beim Träger der Einrichtung gestellt

Eltern müssen die Ermäßigung beim Träger der Betreuungseinrichtung direkt beantragen. Das ist bei öffentlichen Einrichtungen die jeweilige Gemeinde oder bei privaten Einrichtungen ein Verein oder ein anderer privater Träger. Das kritisiert der Verband der privaten Einrichtungen: Die Eltern sollten ihre finanzielle Situation nicht den Kontaktpersonen - unter anderem Betreuern - in der Einrichtung offenlegen müssen und diese wiederum sollten sich nicht mit der finanziellen Situation der Eltern auseinandersetzen müssen.

Ob bei der Gemeinde oder bei der Betreuungseinrichtung - für den Antrag komme man aber nicht um die Offenlegung des Einkommens herum, sagt Wiesflecker dazu, das werde selbstverständlich vertraulich behandelt. Bezieher von Mindestsicherung und Wohnbeihilfe bekommen die Förderung auch ohne Gehaltsnachweis.

Tarifrechner kann vorab berechnet werden

Frist zur Beantragung gibt es keine, der Antrag kann auch während des laufenden Betreuungsjahres gestellt werden. Allerdings wird nicht rückwirkend gezahlt. Wer für eine Ermäßigung des Beitrages in Frage kommt, kann vor der Antragstellung einen entsprechenden Tarifrechner im Internet nutzen.

Landesweit einheitliche Grundtarife ab Herbst

Insgesamt ändert sich für viele Eltern der Tarif im kommenden Betreuungsjahr deutlich, denn die Tarife werden landesweit vereinheitlicht. So müssen vor allem die Eltern der Unter-Einjährigen oft mehr bezahlen, für Dreijährige zahlen viele dagegen weniger. Von diesen Tarifen wird dann die soziale Staffelung berechnet - mehr dazu in: Tarife für Kinderbetreuung fixiert.

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