Architekten-Initiative begrüßt Seestadt-Stopp

Die Initiative aus Architekten und Kulturschaffenden, die zuletzt gegen die Bregenzer Seestadt Sturm gelaufen war, begrüßt den Stopp des Großprojekts. In der Stadtpolitik fallen die Reaktionen unterschiedlich aus.

„Wir haben großen Respekt vor allen Beteiligten und politisch Verantwortlichen für diesen mutigen und sicher nicht einfachen Schritt“, reagierte die Initiative „SEEUNDSTADTUNDBREGENZ“ am Freitag auf die Ankündigung der Betreiber, dass Seestadt-Projekt auf Eis zu legen. Diese Entscheidung ermögliche eine „Nachdenkpause mit der Chance, die Situation gesamthaft neu zu denken.“

Projekt
Amt der Stadt Bregenz

Konkret schlagen die Sprecher Andreas Cukrowicz, Gerhard Gruber, Matthias Hain und Günter Prechter vor, eine Plattform zu gründen, die den unterschiedlichen Interessensgruppen „einen Austausch ihrer Standpunkte ermöglicht“. Man bedauere zwar, mit der Kritik an der Seestadt für viele Beteiligte eine „unangenehme Situation“ herbeigeführt zu haben. Man glaube aber, „dass die Wichtigkeit der Sache Grund genug dafür war.“

Aus für Seestadt

Die Betreiber des Seestadt-Projektes haben am Freitag das Aus bekanntgegeben. Wirtschaftlich sei das Projekt nicht zu realisieren.

Druck auf Betreiber

Die Initiative wandte sich erstmals Mitte November an die Öffentlichkeit. Die Kritik: Das geplante Einkaufszentrum mit einer Länge von 230 Metern „zerreiße“ die Stadt und sauge die Menschen in das Shoppingcenter. Mehrere prominente Architekten schlossen sich der Kritik an.

Am Freitag verkündeten die Projektverantwortlichen das Aus für das Großprojekt. Grund sei die Kostenexplosion gewesen. So hätte das Großprojekt 140 statt der veranschlagten 100 Mio. Euro gekostet. Die Kritik der Initiative sei für das Aus nicht ausschlaggebend gewesen, habe den Entscheidungsprozess aber beschleunigt - mehr dazu in Aus für Bregenzer Seestadt.

Linhart und Schoch: „Nachdenkpause“

Wenig Begeisterung über das Seestadt-Aus gab es in der Landeshauptstadt. Die Entscheidung sei zur Kenntnis zu nehmen, sagten der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart (ÖVP) und Vizebürgermeisterin Sandra Schoch (Grüne) am Freitag in einer Aussendung. „Diese Entscheidung trägt der aktuellen Stimmung Rechnung.“ Mit dem Projektstopp sei jetzt eine „Nachdenkpause“ gegeben, die zu nützen sei.

Seequartier-Plan wird adaptiert

Linhart forderte gleichzeitig dazu auf, die Entwicklung des Seequartiers - das Bahnhofsareal neben der Seestadt - voranzutreiben. Seequartier-Projektsprecher Hubert Rhomberg kündigte umgehend an, das Projekt so rasch wie möglich realisieren zu wollen. Das Aus für die Seestadt sei schade. "Wir werden nun unseren Projektplan etwas adaptieren“, so Rhomberg in einer Aussendung.

Schoch will öffentliche Hand stärker einbinden

In einer eigenen Aussendung sagte Vizebürgermeisterin Schoch, dass jetzt wieder „alles offen“ sei. Man wünsche sich ein „neues Projekt mit stärkerem Engagement der öffentlichen Hand.“ Die Grünen würden sich auch weiterhin „für eine Umgestaltung des Seestadtareals“ einsetzen. Die „Parkplatzbrache“ sei „ein großes Ärgernis und der Landes- und Kulturhauptstadt Bregenz nicht würdig.“

FPÖ-Kinz will Neustart

Andrea Kinz von der Bregenzer FPÖ erwartete sich von den Seestadt-Verantwortlichen keinen Stillstand, sondern einen Neustart. Gleichzeitig sollen die für die Seespange geplanten Budgetmittel „für die Quartiersentwicklung Leutbühel und Mariahilf“ verwendet werden, „um damit die Attraktivität der Landeshauptstadt umgehend zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit von Bregenz rasch zu verbessern.“

NEOS: Schlechtes Signal für Wirtschaftsklima

NEOS-Nationalrat Gerald Loacker sah das Seestadt-Aus als ein schlechtes Signal für das Wirtschaftsklima in Vorarlberg. Man könne zur Seestadt zwar stehen, wie man wolle. „Anscheinend ist es aber nicht mehr möglich, große Projekte so zu gestalten und zu planen, dass sich verschiedene Interessen unter einen Hut bringen lassen. Große Projekte werden zu Fall gebracht, bevor sie starten können“, so Loacker. Man brauche einen Wandel im Denken.

Ritsch attackiert Linhart und Schoch

SPÖ-Stadtrat Michael Ritsch griff in einer Aussendung Linhart und Schoch an. Das Projekt Seestadt habe einen enormen finanziellen Schaden für die Bregenzerinnen und Bregenzer verursacht. „Das Areal ist ein Sinnbild für politisches Versagen der Stadtregierung auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler“, so Ritsch. Er forderte eine Sonderstadtvertretungssitzung und eine Erklärung von Linhart, wie er in der Sache zukünftig vorgehen wolle.

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