Aus für Bregenzer Seestadt

Das Großprojekt Seestadt in Bregenz wird gestoppt. Als Grund geben die Betreiber immense Kostenüberschreitungen an. Man werde in den nächsten Monaten und Jahren sehen, wie es weitergehen wird, so Projektbetreiber Bernhard Ölz.

Es hätte eines der größten Einkaufszentren in Vorarlberg werden sollen: Auf dem 9.000 Quadratmeter umfassenden Seestadt-Areal am Bodenseeufer wollten die Betreiber vier zusammenhängende Gebäude errichten. Geschäfte, Büros, Gastronomie und 65 Wohnungen hätten dort untergebracht werden sollen. Seit Freitag ist definitiv klar: Das Projekt Seestadt ist gescheitert.

Prisma Seestadt Pressekonferenz
PRISMA Unternehmensgruppe
Guntram Drexel (Spar), Bernhard Ölz (Prisma) und Marcus Wild (SES)

Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz in der Hypo-Landesbank in Bregenz begründete Bernhard Ölz, Vorstand der Prisma-Gruppe, den Schritt mit den steigenden Kosten. Geplant gewesen seien 100 Mio. Euro, aktuell liege man aber bereits bei 140 Mio. Euro.

Tiefgarage als Achillesferse

Vor allem die geplante, zweigeschossige Tiefgarage, die Unterbauung der Bahnhofstraße und der Landesstraße sowie die Errichtung der Zu- und Abfahrten hätten sich aufgrund der schlechten Bodenverhältnisse aufwändig gestaltet und hätten die Kosten explodieren lassen. Gerade die zweite Tiefgaragenebene habe sich als kostspielig erwiesen - Die Kosten hätten sich auf 80.000 Euro pro Stellplatz belaufen.

Laufende Einsprüche von Anrainern hätten Zeit gekostet und die Kosten weiter in die Höhe getrieben. Ironischerweise ist in der vergangenen Woche die letzte noch ausstehende Einigung mit zwei Anrainern erfolgt.

Architekten-Kritik nicht ausschlaggebend?

Die Entscheidung wurde am Donnerstagabend bei einem Treffen der Holdingbeteiligten - der Prisma Unternehmensgruppe, JDL und SES - in Salzburg getroffen. Die zuletzt von Architekten und Kulturschaffenden vorgebrachte Kritik an der Seestadt sei dabei nicht ausschlaggebend gewesen - allerdings habe der Druck von außen die Entscheidungsfindung beschleunigt.

Fakten zur Seestadt:

Grundstücksfläche: 9.000 m²
Handels-, Dienstleistungs- und Gastronomiefläche: 14.000 m²
65 Mietwohnungen
530 Tiefgaragenplätze
ca. 550 Arbeitsplätze

Die Architekten hatten unter anderem beanstandet, dass das geplante Einkaufszentrum mit einer Länge von 230 Metern die Stadt „zerreiße“. Mit dieser Kritik hätte man umgehen können, so die Projektverantwortlichen am Freitag. „Wir suchen keine Schuldigen, das haben wir selbst entschieden“, betonte Ölz.

Ölz, Guntram Drexel und Marcus Wild (SES) bedauerten die Absage des Bauvorhabens sehr. Drexel wies auf die hohe Kaufkraft im Rheintal hin. Die Nicht-Realisierung der Seestadt habe nicht nur für Bregenz, sondern für das gesamte Land Vorarlberg negative Konsequenzen.

Grundstück wird nicht verkauft

Die Idee zur Seestadt stammt aus dem Jahr 2007. 2008 stieg Prisma in das Projekt ein, 2012 stießen JDL und SES dazu. Seither habe man in Summe rund sechs Millionen Euro in die Planung investiert, hieß es am Freitag. Vorgesehen waren 550 Arbeitsplätze. Die Vermietung der Handelsflächen sei bereits zu 80 Prozent sichergestellt gewesen, sagte SES-Geschäftsführer Marcus Wild.

Seestadt Seequartier Bregenz Fotos Pläne Stand November 2014
Amt der Landeshauptstadt Bregenz
So hätte die Seestadt aussehen sollen

Die Zukunft des Seestadt-Areals ist indes ungewiss. In den nächsten Monaten und Jahren soll darüber entschieden werden, wie es weitergeht. Der derzeit auf der Fläche bestehende Parkplatz soll bis auf weiteres bestehen bleiben. Das Grundstück werde man nicht verkaufen, obwohl es zwei attraktive Angebote aus dem Ausland gegeben habe. Man warte jetzt auf Ideen und Vorschläge.

Seequartier-Projekt kaum tangiert

Die Initiative aus Architekten und Kulturschaffenden, die zuletzt gegen die Bregenzer Seestadt Sturm gelaufen war, begrüßte den Stopp des Großprojekts in einer Aussendung. Der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart (ÖVP) und Vizebürgermeisterin Sandra Schoch (Grüne) sagten am Freitag, man müsse die Entscheidung der Betreiber zur Kenntnis nehmen - mehr dazu in Architekten-Initiative begrüßt Seestadt-Stopp.

Auf das Seequartier-Projekt - dabei geht es um die Neugestaltung des Bahnhofsareals neben der Seestadt - soll das Aus keine gravierenden Auswirkungen haben. Projektsprecher Hubert Rhomberg kündigte umgehend an, das Projekt so rasch wie möglich realisieren zu wollen. "Wir werden nun unseren Projektplan etwas adaptieren“, so Rhomberg in einer Aussendung. So könne die Tiefgarage nicht wie geplant realisiert werden, die Ein-und Ausfahrtsrampen müssten angepasst werden.

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