Seestadt-Konzept erhitzt Gemüter

Die Diskussionen rund um das Seestadt-Projekt in Bregenz reißen nicht ab. Montagabend veranstalteten die „Vorarlberger Nachrichten“ dazu einen Stammtisch in Bregenz. Gekommen sind vor allem die Kritiker, die Projektbetreiber blieben der Veranstaltung fern.

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Die Diskussion zum Nachhören als Podcast.

Die Kritik über die geplante Seestadt in Bregenz wird immer lauter - das wurde auch bei der Diskussion im Hotel Mercure am Montag klar.

Kritik an Seestadtprojekt

Rund 250 Bürger haben sich am Montag eingefunden, um zum Thema „Seestadt“ zu diskutieren. Der Großteil der Anwesenden fordert, dass das Projekt zurück an den Start sollte.

„Schmerzgrenze erreicht“

Markus Thurnher, Vertreter der Architekten-Initiative „SeeundStadtundBregenz“, forderte den Stopp der Vorarbeiten und die Überarbeitung der Baupläne. Auf die Frage - warum solange mit der Kritik gewartet wurde, sagte Thurnher, nun sei eine Schmerzgrenze erreicht worden. Ihn störe vor allem die 250 Meter lange Rückseite des Gebäudes. Es entstehe ein geschlossenes Einkaufszentrum, die Durchlässigkeit fehle.

Kaufmann: „Zurück zum Start“

Beim Siegerprojekt des Wettbewerbs 2010 sind deutlich zu erkennen: Durchgänge von der Bahnhofs- zur Seestraße und die getrennten Baukörper.

Projekt
Amt der Stadt Bregenz

Auch Architekturprofessor Hermann Kaufmann übt Kritik am aktuellen Projekt. Die ursprüngliche Zielsetzung einer kleinteiligen Handelsstruktur mit viel öffentlichem Raum sei verloren gegangen. Kaufmann fordert: „Zurück zum Start“ - auch wenn bereits sehr viel Geld in die Planung geflossen sei.

So soll laut Prisma gebaut werden: die Durchgänge sind verschwunden. Die Glaswände bei den Eingängen zur Shopping-Mall sind rund neun Meter (Seespange) bzw. 14 Meter hoch (nordseitiger Mall-Eingang).

Projekt
Amt der Stadt Bregenz

WIGEM-Obmann Clemens Sagmeister war bemüht, dieses Projekt zu verteidigen. Bregenz brauche einen Impuls für die Belebung der Innenstadt. Als Bregenzer glaube er aber nicht, dass die Seestadt in dieser Form noch gebaut werde. Zum einen, aufgrund der heftigen Kritik, zum anderen, aufgrund der hohen Baukosten.

Nicht zur Diskussion kamen Bürgermeister Markus Linhart (ÖVP) und Bauamtsleiter Bernhard Fink. Auch Projektsprecher Bernhard Ölz (Prisma) fehlte. Bereits im Vorfeld verteidigte Ölz die Pläne in einen offenen Brief - mehr dazu in Prisma verteidigt Seestadt in offenem Brief (vorarlberg.ORF.at; 6.12.2016).

„Verlängerung der Fußgängerzone“

In Bregenz soll laut Projektbetreiber Prisma auf ca. 9.000 Quadratmetern eine „Verlängerung der Fußgängerzone“ an der Bahnhofsstraße entstehen. In dem Gebäude soll Raum für Geschäfte, Büros, Gastronomie und Wohnungen entstehen. Geplante ist auch eine Tiefgarage. Die Baukosten werden auf 130 Millionen Euro geschätzt.

Seestadtareal Bregenz
ORF/Felsner
Auf diesem Parkplatz soll die Seestadt entstehen

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