Philosophicum: Liessmann blickt zurück

An diesem Wochenende findet zum 20. Mal das Philosophicum Lech statt. Inhaltlich verantwortlich zeichnet Philosophie-Professor Konrad Paul Liessmann. Im ORF Radio Vorarlberg-Samstagsinterview kehrt er zu den Anfängen zurück.

Die Idee zum Philosophicum stamme vom Vorarlberger Schriftsteller Michael Köhlmeier und dem Lecher Bürgermeister Ludwig Muxel, erinnert sich Liessmann. Ihr Ziel sei es gewesen, etwas auf die Beine zu stellen, was über den touristischen Nobelskiort hinausweise. Über Umwege sei man dann an ihn herangetreten: „Und ich habe sofort zugesagt, unter einer ganz wesentlichen Bedingung, die auch sofort akzeptiert worden ist: Dass, was die Thematiken betrifft, was die Referenten betrifft, ich absolut freie Hand habe.“

Focus Konrad Paul Liessmann
APA/Georg Hochmuth
Philosoph Konrad Paul Liessmann

Innerhalb kurzer Zeit habe er ein Konzept vorgelegt. Im Herbst 1997 erfolgte dann die Premiere, damals zum Thema „Faszination des Bösen.“ Dabei sei die Veranstaltung niemals als eine einmalige Sache gesehen worden: „Es war von allem Anfang an nicht als einmalige Angelegenheit gedacht“, so Liessmann. „Es war schon gedacht als etwas, was, bis zu einem gewissen Grad, auch das Image dieses Ortes, die Identität dieses Ortes, mitprägen sollte.“

800 Gäste pro Jahr

Allerdings sei nicht vorherzusehen gewesen, dass die Veranstaltung jedes Jahr kontinuierlich wachsen würde - was natürlich auch immer größere Räume notwendig machte. Waren beim ersten Philosophicum 1997 etwa 100 Gäste zugegen, sind es mittlerweile etwa 800 pro Jahr.

Das Samstagsinterview zum Nachhören:

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Das Philosophicum sei zu einer Institution geworden, sagt Liessmann. Ein Grund dafür sei, dass jede Veranstaltung dokumentiert wird - zu jeder gibt es nämlich ein Buch. Das habe dazu geführt, dass das Philosophicum „in den Interessiertenkreisen wirklich nachhaltige Wirkung“ entfalte, „die weit hinausgehen über das, was sich in diesen fünf Tagen hier in Lech abspielt.“

„Who is Who“ der Geistes- und Kulturwissenschaften

Besonders stolz ist Liessmann auf zwei Dinge: Dass man fast alle bedeutenden Philosophen, Sozial- und Kulturwissenschaftler nach Lech geholt habe - und dass man mit dem Themen immer am Puls der Zeit sei. „Die Liste unserer Vortragenden liest sich wirklich wie ein ‚Who is Who‘ der deutschen Geistes- und Kulturwissenschaften, darauf bin ich schon ein wenig stolz“, so Liessmann.

Als Beispiel für die Aktualität des Philosophicum nennt der Philosoph die Veranstaltung 2008, die sich dem Thema „Geld“ widmete. Wenige Tage später sei die Weltwirtschaftskrise ausgebrochen, deren Nachwirkungen noch heute zu spüren sind.

Gott und die Welt als „Pole“

Heuer steht das Philosophicum unter dem Motto „Über Gott und die Welt“. Liessmann selbst sieht Gott zwar als eine „interessante Figur“, als gläubiger Mensch will er sich deswegen aber nicht bezeichnen. „Gott und die Welt sind für mich schon so die beiden Pole, innerhalb derer sich das menschliche Leben wohl abspielt.“ Was ihn interessiere, sei eben, wie diese beiden Pole zusammenpassen - oder auch nicht.

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