Deutsches Werk: Zumtobel hält an Schließung fest

Rund 100 Zumtobel-Mitarbeiter haben am Mittwoch am Firmensitz in Dornbirn gegen die geplante Schließung des Werkes in Usingen (D) demonstriert. Währenddessen transportierte Zumtobel Lagerbestände aus dem deutschen Werk ab.

Rund 100 Mitarbeiter aus Deutschland sind Mittwochvormittag mit mehreren Bussen vor dem Stammsitz des Zumtobel-Werkes vorgefahren, um gegen die geplante Schließung des Werkes in Usingen bei Frankfurt zu protestieren. Laut Michael Erhardt von der IG Metall in Frankfurt sei die geplante Schließung nicht nur unnötig, sondern auch teurer als ein Verkauf.

Zumtobel Demo
ORF

Es hätte mehrere Angebote für eine Weiterführung des Werkes gegeben, sagt Erhardt, diese Lösung wäre für das Unternehmen wirtschaftlich gesehen auch günstiger gewesen. Deshalb sei die Schließung für die betroffenen Mitarbeiter unverständlich und nicht nachvollziehbar, erklärt Erhardt. Zudem seien die genauen Gründe für das Aus des Werkes nicht bekannt. Das Unternehmen habe sich auf eine Stillschweige-Klausel berufen, so Erhardt.

Protestaktion vor Zumtobelwerk

Die Mitarbeiter haben vor dem Zumtobel-Stammsitz in Dornbirn protestiert.

Schließung für Mitarbeiter nicht nachvollziehbar

Die Demonstranten hoffen nun, dass das Unternehmen die Entscheidung nochmals überdenkt. Sollte das nicht der Fall sein, würden die betroffenen Arbeiter finanzielle Unterstützung benötigen. Eine „ordentliche Abfertigung“ sei laut Erhardt nötig, da die Chancen am Arbeitsmarkt rundum Frankfurt nicht gut seien. Nur so könnte die Arbeitslosigkeit der insgesamt 145 betroffenen Mitarbeiter überbrückt werden.

Die Gewerkschaft IG Metall verlangt drei Bruttomonatsgehälter für die Mitarbeiter, einen Härtefonds für die Abfindungen und eine Transfergesellschaft. Letztere soll dabei behilflich sein, die Zumtobel-Mitarbeiter in anderen Unternehmen unterzubringen. Unterstützt werden die Streikenden von der österreichischen Gewerkschaft PRO-GE.

Zumtobel Usingen
Zumtobel
Zumtobel-Werk in Usingen

Betrieb seit zwei Wochen stillgelegt

Seit mittlerweile zwei Wochen wird beim Werk in Usingen für die Durchsetzung der Forderungen gestreikt. Als Reaktion auf die Arbeitsniederlegung der Mitarbeiter hat die Geschäftsführung des Unternehmens den gesamten Betrieb für die Dauer der Gewerkschaftsmaßnahmen stillgelegt und die Streikenden aus dem Werk ausgesperrt. Das bestätigte am Mittwoch auch Erhardt. Damit verlieren die Beschäftigten während des Streiks den Anspruch auf Entgeld. Sollte der Streik wieder beendet werden, kann die Produktion laut Zumtobel kurzfristig wieder aufgenommen werden. Bis dahin bleibe die Werkstillegung jedoch bestehen.

Zumtobel holt Lagerbestände aus deutschem Werk

Währenddessen in Dornbirn demonstriert wurde, hat Zumtobel Lagerbestände aus dem Usinger Werk abtransportiert. Dabei handle es sich um Materialien und fertige Produkte sowie Halbfertigerzeugnisse, die an Kunden und unterschiedliche Standorte gebracht werden, heißt es in einer Presseaussendung der Firma Zumtobel. Damit soll Kapazitätsengpässen vorgebeugt werden. Sollte die Produktion nach dem Streik kurzfristig wieder gestartet werden, würden die Lagerbestände in dem Werk wieder aufgefüllt werden. Betriebsanlagen und Produktionsmittel seien laut der Presseinformation von dem Transport nicht betroffen, diese würden im Werk bleiben.

Probleme bei Transport in Usingen

Bei dem Transport kam es in Usingen jedoch zu Problemen. Streikende blockierten mit Autoreifen und Menschenketten die LKWs, die die die Materialen abholen sollten. Dabei handle es sich um strafbare Vergehen, so Zumtobel-Unternehmenssprecher Helmut von Fircks. Zumtobel habe mit dem Transport lediglich von seinem Recht Gebrauch gemacht, auf das Eigentum zuzugreifen.

Zumtobel: Sondierungsgespräche laufen

Ein erstes Sondierungsgespräch zwischen dem Unternehmen, dem Betriebsrat und der Gewerkschaft habe am 13.9. stattgefunden, ein zweites sei für den kommenden Freitag vorgesehen. Darüber hinaus stehe man für persönliche Gespräche mit dem Betriebsrat zur Verfügung, heißt es bei Zumtobel. Auch ein vernünftiger Vorschlag für einen Sozialplan liege bereits auf dem Tisch, sagt von Fircks. Dieser würde über dem liegen, was deutsche Arbeitsgerichte im Normalfall aussprechen. Auf diesen Vorschlag sei seitens der IG Metall noch nicht reagiert worden. Für von Fircks ist klar, dass eine Fortführung des Unternehmens nicht in Frage komme. „Man sehe weder weitere Interessenten, die den Standort übernehmen könnten, noch Möglichkeiten, den Betrieb weiterzuführen“, so von Fircks gegenüber der APA.

Verkaufsprozess abgebrochen

Grund für den Streik und die Demonstration ist die Entscheidung von Zumtobel, das Werk in Usingen zu schließen. Zumtobel hatte den Verkaufsprozess des Werkes zuvor abgebrochen - mehr dazu in Zumtobel AG schließt deutsches Werk Usingen.

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