Pausch: „Angst und Gewalt heilen nicht“

Der Benediktinermönch und Psychotherapeut Dr. Johannes Pausch vom Europakloster St. Gilgen sagt: „Mit Angst und Bomben ist der Terrorismus nicht zu besiegen und sind die Menschen nicht zu heilen.“ Pausch spricht über Brutstätten des Terrorismus im Alltag.

Angst und Gewalt schmerzen immer, so Pater Johannes Pausch. Und am meisten schmerze ihn die Tatsache, dass er beim Thema Terrorismus nicht über Al Kaida oder den IS reden müsse, sondern über uns. Pausch spricht von einer „Unkultur des Terrorismus in allen Lebensbereichen“. Der Terrorismus habe sich in allen Bereichen breit gemacht. Inmitten in unserer Gesellschaft sei Terrorismus schon vorhanden. Mit dem Gewaltthema geschehe kein Aufbruch, kein Umbruch und kein Wandel. Dabei komme immer nur Zerstörung und Stagnation heraus. Das sei im Kleinen und im Großen so.

Zerstörung und Bedrohung

Zerstörung, Gewalt (physisch, psychisch, geistig) und Bedrohung gehören zur Definition des Terrorismus. Die Zerstörung wird gegen Menschen, gegen Lebenssicherheiten, gegen Gefühle, gegen soziale Beziehungen, gegen Infrastruktur, gegen das Leben insgesamt eingesetzt. Manche meinten, dass Terrorismus für eine Gerechtigkeit kämpfe; eine existenzielle Gerechtigkeit um Land, Wasser, um Energie und Freiheit. Das stimme nicht und sei falsch. Er kaufe niemanden den Freiheitskampf ab, der mit diesen Mitteln etwas erreichen will, betont der Benediktinermönch.

Brutstätten des Terrorismus im Alltag

Terrorismus versucht zu destabilisieren. Als Benediktiner gelobe er bei der Profess Selbstständigkeit und Mitverantwortung. Selbstständig sein heiße, eigenständig sein und Mitverantwortung haben. Das sei die Voraussetzung für Dynamik und Wandel.

Verlust von Lebenskompetenzen

Entmündigung und Kompetenzverlust in den grundlegenden Lebensvollzügen. Wen Menschen ihr Leben in den Details nicht mehr kompetent gestalten können und sich ständig irgendwelcher Berater bedürfen, um ihr Leben in den Griff zu bekommen, dann gedeihe dort die Unselbstständigkeit. Daraus entsteht eine Undurchschaubarkeit des Lebens. „Wir wissen viel und mitunter kommt mir das wie ein Informationsmüll vor,“ sagt Johannes Pausch. Mit der beständigen Spezialisierung habe man vergessen, dass der Mensch begrenzt sei. Wir ignorieren die Unvollkommenheit und Begrenztheit des Menschen meint Pausch. Hier kämen Allmachts- und Ohnmachtsphantasien ganz nah zusammen. Er nimmt Bezug auf die Erziehungsarbeit in den Familien. „Wenn ich keinen Konsens mehr finden kann, geht mir der Sinn verloren.“

Werte und Leitbilder

Oft würden aufwendige Leitbilder erarbeitet, die " gelesen, über die gelacht wird und die dann gelocht werden". Werte haben nichts mit Worten auf Papier zu tun. Werte sind Beziehungsereignisse, sagt Pausch und ergänzt: „Wir brauchen einen Weg von der positiven wie negativen ICH-Zentrierung auf das WIR. Die ICH-Vergötterung hat zur WIR-Vergessenheit geführt. Wir benötigen neue Erfahrungen und eine neue Sprache für das WIR“.

Wenn das nicht funktioniert, führt es zur Resignation, zu Wut, Hass und zur Gewalt. „Die Lähmung unserer Gesellschaft ist geprägt vom Hass. Das Hassen muss aufhören“, mahnt Pausch. „Das Gegenteil vom Hass ist Wertschätzung. Das bedeute nicht, das man einer Meinung sein müsse. Es sei aber ein Weg zu mir selbst und zum Anderen, sagt der Mönch vom Europakloster AICH.

Brutnester des Terrorismus

Ein schrecklicher Satz für Johannes Pausch ist folgender: " Flüchtlinge werden deshalb aufgenommen, um Arbeitsplätze zu besetzen, und damit sie die Alten und Dementen pflegen und weil sie unsere Renten bezahlen und letztlich die Kinder für die Zukunft zeugen." Das sei moderne Sklaverei unter einem modernen Deckmantel und zeige die Verachtung für diese Menschen. „Wir werden in diesem Kampf siegen“, sagten sowohl der französische Präsident F. Hollande wie auch der Kalif von Raqqa. Dieses Denken gehe davon aus, dass man siegen muss, um den Menschen zu heilen und Pausch warnt, wenn er meint, dass man Terrorismus durch neue Gewaltanwendung züchte.

Ein weiterer Satz, der ihn störe, sei jener, der ursprünglich in Ungarn gesagt wurde: „Mauern und Stacheldrahtzäune sichern unser Land.“ Johannes Pausch beklagt auch den Krieg in den sogenannten SOZIALEN NETZWERKEN, die so sozial überhaupt nicht seien. Das seien asoziale Chaosforen. Hier würde für Gewaltanwendung geworben.

Lösungen gegen das Angst-und Gewaltproblem

Mit „Spiritualität ist dem Welthaushalt freudig dienen“, zitiert Pausch seinen Bendiktiner-Mitbruder David Steindl-Rast. Spiritualität sei Beziehung zu mir selber, zu anderen und zur Schöpfung. Spiritualität sei eine umfassende Beziehungsfähigkeit.

„In uns lebt Spirituelles“, betont Pater Pausch. Man müsse ihm Raum, geben. „Spiritualität ist das Leben des Geistes in uns. Ethik ist Spiritualität, ist Beziehungsverhalten. Ethik verzichtet auf das Angst machen und die Gewaltanwendung.“

Wenn Spiritualität dem Welthaushalt freudig dienen sei, dann bedeute das Wundpflege im Kleinen wie im Großen. Der griechische Begriff `OIKOS` steht für den Welthaushalt: Daraus leite sich Ökologie und Ökonomie (Ressourcen und Verwaltung) sowie die Ökumene ab. Ökumene meine, die Lehre vom universalen Gemeinsinn und somit den universalen Glauben an das Leben. „Alle „Drei“ sind die stärksten Gegenmittel gegen Gewalt, Angst und Terrorismus“, so Pausch.

Aus der Sicht eines Benediktinermönchs ergänzt er die beiden lateinischen Begriffe: `Pietas` (das ist nicht nur die Frömmigkeit, sondern der Familiensinn, das gelebte JA zu Respekt und zur Zugehörigkeit) und die Humilitas (sie bedeute Menschlichkeit und Demut). Und Pausch schließt mit dem Hinweis, dass es den OIKOS, diesen Welthaushalt von Anfang an gab.

Dieser Vortrag wurde bei den Goldegger Dialogen 2016 aufgezeichnet. Sie standen unter dem Leitthema: „Aufbruch, Umbruch, Wandel“. Dieser Vortrag wird im Tagungsband der Goldegger Dialoge 2016 abgedruckt. Bestellungen beim Kulturverein Schloss Goldegg, schlossgoldegg@aon.at

Zur Person:

Pater Dr. Johannes Pausch OSB, Jahrgang 1949, ist Prior des Europaklosters Gut Aich in St. Gilgen am Wolfgangsee. Der Benediktinermönch gilt als Experte in den Bereichen Spiritualität, Kräuterheilkunde und Psychosomatik. Der erfolgreiche Autor und gefragte Seminarleiter ist zudem psychotherapeutischer Leiter des Hildegard-Zentrums. 2009 wurde der gebürtige Bayer mit der Medaille für Verdienste um Bayern in einem vereinten Europa ausgezeichnet. Er lebt seit 45 Jahren als Benediktiner.

Literatur:

Meine Heilkräutermandalas: Heimische Pflanzen und ihre ganzheitliche Wirkung von Johannes Pausch und Markus Bassler (Fotograf) Servus-Verlag.

Weniger ist mehr. Die Lebensschule der Mönche von Johannes Pausch Vier Türme Verlag

Gesundheit aus dem Kloster. Altes Heilwissen für Körper, Geist und Seele von Johannes Pausch und Gert Böhm.Anaconda

Ich bin dann mal alt!: Dem Leben auf der Spur bleiben - eine spirituelle Altersvorsorge von Johannes Pausch und Gert Böhm Kösel Verlag

Meine Kräutermärchen: Pater Johannes Pausch liest die schönsten Geschichten aus „Meine Kräuterschätze“: 1 CDs |... Audiobook von Johannes Pausch

Musik:

CD* BONEWOMAN
T* Impro. Schlagzeug/Stimme
AS* Improvisation

S: Fanya de Stella/Instrumental
NI: Pasquale Leogrande/Schlagzeug, Percussion
NI: Erwin Hörl/Saxophon, Klarinette, Didjeridu
NI: Christine Federspiel/Gesang
NI: Gerda Rieder/Percussion, Wassertrommel

K: Fanya de Stella Palikruschewa
V: Clarissa P. Estes/"Die Skelettfrau" aus „Die Wolfsfrau“

CD* THE GUITARIST JOHN WILLIAMS
T* Drei Epitafios - für Gitarre

S: John Williams/Gitarre
K: Mikis Theodorakis/geb.1925

CD* POWER OF BRASS
T* Zorba the Greek/instr. / Thema a.d.gln.Film / „Alexis Sorbas"
AT* Zorba’s dance/instr.
A: German Brass
L: Enrique Crespo

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