Pragmatiker gegen Visionär in Bludenz

Unterschiedliche Zukunftsvorstellungen für Bludenz offenbarten sich in der Stichwahl-Diskussion zwischen Bürgermeister Josef Katzenmayer (ÖVP) und Herausforderer Mario Leiter (SPÖ): Katzenmayer setzt auf Pragmatismus, Leiter auf Visionen.

Es war der altbekannte Wettstreit zwischen Pragmatismus und Idealismus, zwischen Erfahrung und Jugend, der sich im Rahmen der ersten Stichwahl-Diskussion auf ORF Radio Vorarlberg beobachten ließ. Mario Leiter, mit einem Stimmenanteil von – aus dem Stand - 40,12 Prozent der große Gewinner bei der Bürgermeisterwahl vor knapp eineinhalb Wochen, skizzierte in teilweise blumigen Worten seine Vision für Bludenz. Der 64-jährige Josef „Mandi“ Katzenmayer versuchte hingegen, mit seiner Erfahrung zu punkten.

Bludenz Stichwahldiskussion
ORF
Mario Leiter (li., SPÖ) will Bludenzer Bürgermeister werden, Josef „Mandi“ Katzenmayer (ÖVP) will den Posten behalten

Leiter: „Noch keinen Tunnelblick“

„Ich glaube einfach, es ist an der Zeit, für Bludenz etwas Neues zu entwickeln“, sagte Leiter, der laut Eigenaussage schon seit 20 Jahren Bludenzer Bürgermeister werden will. Sein Ziel sei es, Bludenz neu zu positionieren und über seine Grenzen hinaus bekannt machen. Wiederholt betonte Leiter, dass er mit allen Fraktionen und Akteuren zusammenarbeiten und niemanden ausgrenzen wolle. Denn: „Ich habe noch keinen Tunnelblick“ und „keine Zügel am Bandel“. Er wolle „für alle Bludenzer da sein“.

Die Diskussion zum Nachhören:

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Konkrete Vorschläge blieb Leiter hingegen schuldig. Als einziges Beispiel nannte er die Einbindung des Rathausgebäudes in eine neue Tourismusschule oder ein Stadthotel mit Veranstaltungszentrum, um die Kundenfrequenz in der Altstadt zu erhöhen.

Katzenmayer setzt auf Erfahrung

Amtsinhaber Katzenmayer konterte trocken und mit dem Gewicht von zehn Jahren Erfahrung: „Schön, wenn man Visionen hat, wenn man tolle Vorstellungen hat“, aber das müsse natürlich alles finanziert werden. Er könne nur das versprechen, was er auch finanzieren könne. Dazu gehöre etwa das geplante Eiszentrum mit Rodelbahn, das sowohl der Bund als auch das Land Vorarlberg mit je 2,2 Millionen Euro unterstützen würden, so Katzenmayer. Die Stadt selbst werde 1,1 Millionen Euro zuschießen.

Überhaupt strapazierte Katzenmayer immer wieder seine zehn Jahre im Bürgermeisteramt. Die Realität hole einen sehr schnell ein, bemerkte er an einer Stelle. Man habe in den letzten zehn Jahren „sehr gut gearbeitet“ und dabei zahlreiche Projekte auf die Beine gestellt - als Beispiel nannte er Projekte wie den Kindergarten, das Betreute Wohnen oder den Schulbau. Er, Katzenmayer, stehe diesbezüglich für Kontinuität: „Diesen Weg würden wir auch gern weiterführen“.

Leiter würde als Vizebürgermeister bereitstehen

Als „ernüchternd“ bezeichnete Katzenmayer sein persönliches Ergebnis und das Abschneiden seiner Partei bei den Gemeindewahlen. Er selbst kam in der Bürgermeisterdirektwahl auf lediglich 42,21 Prozent der Stimmen, seine Partei, die ÖVP, erhielt 40,5 Prozent und verlor damit die absolute Mehrheit in der Stadtvertretung. Allerdings sei das auch durch die geringe Wahlbeteiligung und die vielen ungültigen Stimmen erklärbar, so Katzenmayer.

Ganz anders die Stimmung beim Herausforderer: "Ich denke, die Bludenzer möchten eine Veränderung“, so Leiter gleich zu Beginn der Diskussion. Sollte er die Stichwahl verlieren, würde er auch für den Posten des Vizebürgermeisters bereit stehen. Katzenmayer wollte sich diesbezüglich nicht festlegen: „Das lassen wir einfach offen“.

Markus Sturn, vorarlberg.ORF.at

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