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Radhelmpflicht: Unterschiedlich beurteilt

Vorarlberger Experten bewerten die seit etwas mehr als einem Jahr geltende Fahrrad-Helmpflicht für unter Zwölfjährige unterschiedlich: Manche bezweifeln, ob eine gesetzliche Verpflichtung sinnvoll ist, andere bewerten die Helmpflicht positiv.

Seit etwas mehr als einem Jahr gilt in Österreich eine Radhelmpflicht für Kinder. Und zwar nicht nur dann, wenn sie selbst fahren, sondern auch, wenn sie in „Kikis“, also in Fahrradanhängern unterwegs sind. Wenn die Helmpflicht nicht eingehalten wird, gibt es allerdings keine Strafen. So gibt es nur eine Ermahnung der Polizei, wenn ein Kind unter zwölf Jahren auf dem Fahrrad ohne Helm erwischt wird. Das Gesetz sehe keine Strafen vor, sagte Klaus Widemann von der Verkehrsabteilung des Landespolizeikommandos. Laut Widemann wirken die Appelle zur Vernunft recht gut, denn es seien nun mehr Kinder mit Helm auf dem Fahrrad unterwegs.

„Immer weniger Kinder haben Kopfverletzungen“

Auch der Leiter des Kuratoriums für Verkehrssicherheit in Vorarlberg, Martin Pfanner, sieht die Radhelmpflicht positiv. Das Gesetz habe dazu geführt, dass immer mehr Kinder einen Helm tragen und, dass sich immer weniger Kinder Kopfverletzungen zu ziehen. So sei die Tragequote in diesem Zeitraum um 20 Prozent gestiegen. Eine österreichweite Bilanz zeige, dass durch die Helmpflicht bei rund 100 Kindern Kopfverletzungen nach Unfällen vermieden worden seien, sagte Pfanner. Auch in den Fahrradanhängern sei die Helmpflicht sinnvoll, so Pfanner.

„Das Gesetz ist eigentlich überflüssig“

Für den Leiter der „Initiative Sichere Gemeinden“ in Vorarlberg, Franz Rein, ist die Helmpflicht dagegen nicht sinnvoll. Das Gesetz sei eigentlich überflüssig, so Rein, denn es sei keine Ahndung im Gesetz vorgesehen und es gebe Ausnahmen von der Pflicht, zum Beispiel wenn das Kind im „Kiki“ sitzt. Daher verstehe er nicht, wofür das Gesetz hilfreich sein solle: „Es ist eher hinderlich als hilfreich“, meinte Rein.

Besser wären freiwillige Ansätze mit viel Bewusstseinsbildung für die Eltern, sagte Rein - ähnlich wie bei den Skihelmen: Denn obwohl es in Vorarlberg - im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern - keine Skihelmpflicht für Kinder gebe, seien die Kleinen in Vorarlberg öfter mit dem Helm unterwegs als in Ostösterreich.

„Viele Kinder tragen den Helm falsch“

Einig sind sich die Experten allerdings in einem Punkt: Viele Kinder tragen zwar einen Helm, aber sie täten es falsch - durch Unwissenheit oder Lässigkeit sitze der Helm oft zu locker - und helfe dann auch bei einem Unfall praktisch nichts. An dem Gesetz wird sich aber zunächst mal nichts ändern, denn laut Verkehrsministerium gibt es derzeit keine Überlegungen zur Gesetzesreform.